« Zum Blog

Wie man Glück kaufen kann

Innerhalb der 10 Jahre von 1995 bis 2014 stiegen die Ausgaben für typische Konsumgüter wie Bekleidung, Wohnen, Innenausstattung und Nahrungsmitteln in der Schweiz stetig an. (Quelle: Bundesamt für Statistik). Unsere Gesellschaft ist von Konsum gezeichnet. Oft kaufen wir nicht, weil wir etwas wirklich brauchen, sondern allein weil wir es wollen und können. Wir leben im Überfluss

Die Folgen dieses überflüssigen Konsums sind weitreichend: Abholzung der Wälder zugunsten von Ackerland führt zum Aussterben von Tierarten, Pestizide für die Bewirtschaftung des Landes und giftige Chemikalien für die richtige Färbung unserer neuen Jeans verseuchen das Grundwasser. Millionen von Menschen in Ländern wie Nicaragua oder Bangladesch arbeiten unter menschenunwürdigen Zuständen und ermöglichen uns dadurch ein Leben im Überfluss

Gleichzeitig war es uns wahrscheinlich noch nie so bewusst, wie prekär die Lage auf der Welt ist und dass jeder eine Mitverantwortung trägt. In einer Umfrage sagten über 60% der Befragten in der Schweiz, dass „wir auf eine Umweltkatastrophe zusteuern, wenn wir so weitermachen“ (Quelle: Konsum Report Schweiz, 2008). Diese Meinung widerspiegelt sich im Anstieg der Absatzzahlen für ökologische Produkte und Trends wie Zero Waste oder minimalistische Lebensweisen.

Weshalb kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen?

Es gibt verschiedene psychologische Mechanismen, die Erklärungen für unser von aussen betrachtet absurdes Konsumverhalten liefern:

  • Normalität: Wenn der Überfluss in einer Gruppe zur Normalität geworden ist und die Mehrheit im Überfluss konsumiert, ist es schwer sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Das, was die Mehrheit macht wird auch oft als richtig wahrgenommen. Aus der Norm auszubrechen kann demnach soziale Konsequenzen nach sich ziehen; Schliesslich gibt es in praktisch jeder Clique Regeln, die zu einem Ein- aber auch Ausschluss führen können.
  • Selbstbild aufwerten durch Vergleiche: Wir vergleichen uns andauernd mit unseren Mitmenschen. Weshalb? Weil wir damit unser Selbstbild aufwerten. Wir erfahren mehr über uns selber und welche Stellung wir unter unseren Mitmenschen haben oder auch welche Möglichkeiten uns offen stehen, um gesellschaftlich aufzusteigen. Das geschieht meist völlig unbewusst. Wenn man aber bei diesen Vergleichen immer wieder schlecht abschneidet, kann das unglücklich machen. Dies wiederum kann einerseits zu dem Drang nach mehr Konsum führen, um das schlechte Gefühl zu kompensieren. Andererseits können sich Menschen aber auch immer mehr und mehr in ihr Schneckenhaus zurückziehen und sich von ihren Mitmenschen isolieren. Beide Wege führen zu Teufelskreisen, aus denen man nur schwer wieder herauskommt.
  • Verfügbarkeit: Nicht zuletzt ist ein wichtiger Faktor, der den Konsum im Überfluss ermöglicht, die Verfügbarkeit: Was in den 1950er Jahren die Selbstbedienungsläden waren sind heute die Online-Shops; Man bekommt ständig Produktvorschläge, die immer und überall für uns zugänglich sind. Man kann kaufen, was und wann immer man Lust darauf hat.

 

Wie hängen Geld und Glück zusammen?

Obwohl das Leben im Überfluss einen gewissen gesellschaftlichen Wohlstand voraussetzt, führt er weder zu psychischem noch physischem Wohlbefinden. Klar, brauchen wir ein bestimmtes Einkommen, um unser Leben zu gestalten und wichtige Bedürfnisse zu decken. Ab einem gewissen Einkommen aber, macht uns mehr Geld trotzdem nicht viel glücklicher (Quelle: Easterlin, 1974). Die Holländer haben das schon verinnerlicht: Über die Hälfte der Bevölkerung arbeitet Teilzeit. Die zusätzliche Freizeit erlaubt es ihnen sich nicht nur mehr um ihre physische Gesundheit zu kümmern, sondern auch ihre sozialen Netzwerke zu pflegen. Im Gegensatz zu extra Cash, macht das nämlich glücklich. Materialistische Güter können übrigens auch unglücklich machen: Amerikanische Forscher konnten zeigen, dass wenn Leute Konsumgüter nur schon ansehen, sie sich unwohler fühlen und auch weniger Lust auf Aktivitäten mit anderen Menschen haben, was sie schlussendlich isoliert (Quelle: Bauer et al, 2012).

 

Raus aus dem Teufelskreis: Was kann ich ändern?

Wir müssen nicht gänzlich auf den Konsum verzichten, um glücklicher zu sein. Wie und wofür man sein Geld ausgibt macht einen entscheidenden Unterschied. Im BuchHappy Moneyerfährt man, wie man Geld "richtig" ausgibt um sein Glück zu maximieren:

  • Erfahrungen, statt materielle Güter erwerben. An materielle Güter gewöhnen wir uns schnell und sie nutzen sich ab. Positive Erlebnisse hingegen bleiben in Erinnerung und machen uns darum länger glücklich. Ausserdem können wir immer wieder darauf zugreifen und so das Glücksgefühl wiederbeleben.
  • Geld für andere Menschen ausgeben. Als eines der sozialsten Tiere sind unsere sozialen Beziehungen einer der wichtigsten Faktoren für unser Wohlbefinden. In Beziehungen zuinvestierenmacht darum Sinn.
  • Kauf hinauszögern. Vorfreude auf ein Ereignis, für das am besten auch schon im Voraus bezahlt wurde, ist ein wichtiger Bestandteil des Erlebnisses mit einem Gut. Die Vorfreude auszulassen bedeutet einen Teil der Freude, die das Produkt oder die Erfahrung bringt, aufzugeben. Darauf zu verzichten würde bedeuten nicht das meiste aus dem Produkt herauszuholen.

Wer mehr für die Umwelt machen möchten, kann folgende Ideen ausprobieren:

  • Minimalistisch Leben: Der minimalistische Lebensstil zeichnet sich dadurch aus, dass man versucht nur das nötigste zu besitzen und den Platz zu reduzieren. Viele Menschen empfinden es als befreiend mit weniger Besitztümern auszukommen, da dies auch weniger Sorgen um Verlust mit sich bringt. Um anzufangen kann man zum Beispiel mal den Kleiderschrank ausmisten und sich fragen welche Kleider man tatsächlich noch braucht und alles andere verschenken oder spenden.
  • "Zero Waste" Anhänger achten beim Einkaufen auf die Herkunft der Produkte, die verwendeten Materialien, ob sie abbaubar sind, dass sie nicht oder kaum verpackt sind (dafür wird eine eigene Verpackung mitgenommen) und dass natürlich nur so viel wie nötig besorgt wird, um ja keinen unnötigen Abfall zu produzieren. Ausserdem benutzen sie Produkte, die so langlebig sind wie möglich. Sie führen ein bewussteres Leben und unterstützen durch ihren Lebensstil oft auch regionale Anbieter und Produkte, die keinen weiten Weg hinter sich haben, bis sie im Laden stehen.
  • Kleiderkreisel und Flohmärkte boomen. Anstatt neue Dinge zu kaufen und das Räderwerk des Überflusses so im Gang zu halten, kann man sich auf Flohmärkten umschauen. Manchmal findet man noch praktisch ungetragene Kleider und Schuhe oder auch tolle Möbel. Wenn man Glück hat, muss man nicht einmal dafür bezahlen, sondern kann es für ein eigenes Kleidungsstück, das man nicht mehr benötigt eintauschen. Win-Win!

 

Einkaufs-Checkliste

Allen diesen Möglichkeiten liegt Bewusstheit zugrunde. Frage dich jeweils, ob das was du kaufen möchstest...

  1. ...dich wirklich glücklich macht. Denke lieber einen Tag länger darüber nach und kaufe nicht aus einem Impuls heraus oder mache dir eine Einkaufsliste bevor du in einen Laden gehst.
  2. ...auf umweltfreundlichem Weg zu dir gekommen ist (achte auf Labels wie Bio oder Fairtrade)
  3. ...möglichst lange nutzbar ist (das Material soll lange haltbar, von guter Qualität, oder klassisch sein und nicht allzu schnell wieder aus der Mode kommen)?
  4. ...dein soziales Netz stärkt (kannst du es zusammen mit deinen Freunden, Familie oder deinen Kollegen erleben oder fänden es andere auch nützlich und würden davon profitieren?).

 

Möchtest du mehr Ideen & Tipps rund um einen gesunden & nachhaltigen Lebensstil? Dann abonniere den WeAct Newsletter & folge uns auf Facebook.

WeAct ist ein Social Business, das Menschen dabei hilft, ihr Potential Gutes zu tun zu entfalten. Wir organisieren spielerische Challenges, die zu Verhaltensveränderungen motivieren. Jeden Herbst führen wir die schweizweite We Act Challenge für mehr Gesundheit, Nachhaltigkeit und Teamgeist am Arbeitsplatz durch.

 

Über die Autorin

Emina Canic ist Psychologin und hat einen Doktor in Behavioural Science. Bei WeAct ist sie für die Wirkungsevaluation und -verbesserung der Programme verantwortlich. Sie ist überzeugt davon, dass wir Umwelten schaffen können, die uns automatisch zu besseren Entscheidern machen. Mit ein wenig Selbstreflexion und gutem Willen können wir in einer Gesellschaft leben, von deren Wohlstand alle, nicht nur wenige Auserwählte profitieren.

 

 

Zusätzliche Quellenangaben

Festinger’s Theorie des sozialen Vergleichs
Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human relations, 7(2), 117-140.

Happy money: So verwandeln Sie Geld in Glück
Dunn, E., & Norton, M. (2014). Happy Money: The Science of Happier Spending. Simon and Schuster.

Konsum und Wohlbefinden
Bauer, M. A., Wilkie, J. E., Kim, J. K., & Bodenhausen, G. V. (2012). Cuing consumerism: Situational materialism undermines personal and social well-being. Psychological Science, 23(5), 517-523.