« Zum Blog

Mode geht auch nachhaltig: Sustainable vs. Fast Fashion

Fast Fashion: Gekauft um nicht zu bleiben

Schaut man am Wochenende auf die Einkaufsmeilen der Städte, bietet sich beinahe überall dasselbe Bild: Menschenmassen bevölkern die Strassen, in den Händen prall gefüllte Tüten, vieles davon Kleidung. Das Meer an Einkaufstüten mit den bunten Schriftzügen der grossen Modekonzerne ist mittlerweile zu einem Sinnbild für das „Fast Fashion“ Zeitalter geworden. Die weltweite Textilproduktion hat sich zwischen den Jahren 2000 und 2014 verdoppelt (Quelle: McKinsey). Von den Millionen an Kleidungsstücken, welche jedes Jahr in die Kleiderschränke der Konsumenten wandern, wird jedoch jedes Fünfte gar nie getragen (Quelle: Greenpeace). Und viele weitere Kleidungsstücke werden oftmals nur 1-2 mal aus dem Schrank herausgeholt.

Der hohe Preis der (Billig-) Mode

Die Textilindustrie ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits schafft sie tausende Arbeitsplätze weltweit und stellt vor allem für Frauen in Entwicklungsländern eine wichtige Einkommensquelle dar. Auf der anderen Seite stehen jedoch die enormen sozialen und ökologischen Auswirkungen der Bekleidungsindustrie. Neben dem beachtlichen Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie Wasser und Baumwolle, ist es vor allem der Einsatz gefährlicher Chemikalien, welcher die Textilproduktion zu einer Belastung für die Umwelt macht. Die Herstellung unserer T-Shirts, Jacken und Jeans birgt zusätzlich zu den  ökologischen Gefahren auch erhebliche soziale Risiken. Die Angestellten in den Textilfabriken arbeiten häufig unter katastrophalen Bedingungen; Überstunden, Zwangs- und Kinderarbeit und sexuelle Belästigungen sind an der Tagesordnung (Quelle: Human Rights Watch). Das Gehalt der Arbeiter macht durchschnittlich nur zwischen 0,5 – 3% der Gesamtkosten eines Kleidungsstückes aus. Bei einem T-Shirt, welches man im Laden für 8 Franken erwerben kann, beträgt der Lohn der Arbeiter also maximal 24 Rappen (Quelle: Asia Floor Wage).

Billig und kurzlebig ist Trend

Die Wegwerf-Kultur im Zuge der Fast Fashion Bewegung verstärkt diese Effekte noch. Der schwedische Modekonzern H&M bietet pro Jahr 12 bis 16 verschiedene Kollektionen an- welche teilweise sogar wöchentlich erneuert werden. Gleichzeitig sind die Preise für Bekleidung im Vergleich zu anderen Konsumartikeln während der letzten Jahre nur geringfügig gestiegen. Als Folge kaufen die Konsumenten mehr, behalten ihre Kleidungsstücke jedoch durchschnittlich nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren (Quelle: McKinsey). Die 'Fast Fashion' Konzerne legitimieren den Überkonsum, indem sie das ständige Kaufen von immer neuer Kleidung als normalen Bestandteil des Lebensstils unserer heutigen Gesellschaft proklamieren. Ganz nach dem Motto: „Wer nicht mitmacht ist raus“.

Sustainable anstatt Fast Fashion

Es gibt jedoch immer mehr Menschen, welche die schnelllebige Philosophie der Fast Fashion Industrie nicht länger unterstützen möchten. Was kann man also tun, um sich nachhaltiger zu kleiden?

  • Minimalismus im Kleiderschrank: Die einfachste und wirksamste Alternative zu Fast Fashion ist den eigenen Konsum an Kleidung zu reduzieren. Denn wird weniger gekauft, wird auch weniger produziert.
  • Fair und ökologisch produzierte Kleidung kaufen: Jeder braucht von Zeit zu Zeit mal eine neue Hose oder einen wärmeren Pullover. Um die negativen Konsequenzen für Umwelt und Menschen im Herstellungsprozess so gering wie möglich zu halten, lohnt es sich  auf nachhaltig und fair produzierte Kleidung zu setzen. Dabei kann man sich beispielsweise an dem GOTS-Label orientieren. Dieses kennzeichnet Textilien, welche zu mindestens 70% aus organischen Fasern bestehen und bei deren Herstellung bestimmte ökologische Kriterien eingehalten wurden. Wer darauf achten möchte, dass seine Kleidung nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen genäht wurde, kann Produkte von Marken kaufen, welche Mitglied in der Fair Wear Foundation sind. Die Fair Wear Foundation setzt sich dafür ein, die Arbeitsbedingungen im arbeitsintensivsten Schritt der Textilproduktion, dem Nähen, zu verbessern. Eine Übersicht der Bekleidungsmarken, welche den regelmässigen Kontrollen der Fair Wear Foundation unterliegen, findet ihr hier. Im Deutschsprachigen Raum bietet 'Get Changed' eine gute Übersicht über Fair Fashion Läden.
  • In Second Hand Läden und Kleidertauschbörsen stöbern: Anstatt immer alles neu zu kaufen, kann man einen Blick in Second Hand Läden werfen. Vor allem, wenn man Kleidungsstücke sucht, welche bereits vor einigen Jahren im Trend waren, wie z. Bsp. Sachen im Vintage Stil der 70er Jahre, macht es Sinn in Läden wie dem 16 Tons oder Fizzen zu stöbern, anstatt sofort etwas Neues zu kaufen. In den letzten Jahren sind ausserdem viele Kleidertauschbörsen entstanden, bei welchen man online oder in verschiedenen Städten seine eigenen Sachen gegen die anderer eintauschen kann. Das schont unsere Ressourcen und nicht zuletzt auch unseren Geldbeutel.
  • Reparieren und upcyceln: Nicht jedes Kleidungsstück, welches einen kleinen Schaden oder Makel aufweist ist zum Wegwerfen verdammt. Kleine Löcher in T-Shirts können oftmals mit wenig Aufwand selbst ausgebessert oder genäht werden und die verwaschene Farbe der schwarzen Jeans kann durch Färben in der Waschmaschine aufgefrischt werden. Wird ein Kleidungsstück tatsächlich nicht mehr gebraucht, kann es durch Upcycling neue Verwendung finden. Auf ihrem Youtube- Kanal „Thrifted Transformation“ zeigt die Bloggering Coolirpa, wie man alte Kleidungsstücke in neue Looks verwandeln kann. Immer mehr Volkshochschulen bieten mittlerweile auch Nähkurse an, in welchen Unerfahrene den richtigen Umgang mit Nadel und Faden erlernen können. In Zürich kann man bei Social Fabric Näh- und Kleider-Upcycling Kurse besuchen.

Mach mit und sprich darüber

Der erste und wichtigste Schritt um eine Veränderung in der Textilindustrie zu bewirken, ist jedoch das Bewusstsein für die Probleme, welche die Fast Fashion Mode mit sich bringt, zu schärfen. Wollen wir etwas ändern, dürfen wir vor allem eins nicht länger: schweigen. Wenn mehr und mehr Menschen beginnen, den Modekonzernen Fragen zur Nachhaltigkeit Ihrer Produktions-Lieferkette zu stellen, werden diese irgendwann Verantwortung übernehmen müssen. Aus diesem Grund hat die Non-Profit Organisation Fashion Revolution die Fashion Revolution Week ins Leben gerufen. Die weltweite Kampagne, welche mit dem Hashtag #whomademyclothes die Aufmerksamkeit auf die Produktionsbedingungen in der Bekleidungsindustrie lenken möchte, hat diese Woche (am Jahrestag des Zusammenbruchs der Rana Plaza Fabrik in Bangladesch), dem 24. April, begonnen.

Wer gern näheres zu den Auswirkungen der Fast Fashion Industrie erfahren möchte, kann am 9. Mai zur WeAct Community Movie Night im Impact Hub in Zürich kommen, wo der Dokumentarfilm „The True Cost“ gezeigt wird. Beim anschliessenden Apéro bietet sich zudem die Möglichkeit, mit anderen über Lösungen für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Textilien zu diskutieren.

 

Über die Autorin

Lisa Biniosek stiess kürzlich nach erfolgreichem Abschluss ihres Masterstudiums in Sozioökonomie zu WeAct, wo sie seitdem das Team im Bereich Marketing & Communication und Projektmanagement unterstützt. In Verbindung mit ihrem Praktikum im Bereich unternehmerischer Verantwortung und CRS Reporting, beschäftigte sie sich in ihrer Masterarbeit eingehend mit den sozialen Problemen in textilen Lieferketten. Um langfristig eine ökologischere Textilproduktion unter fairen Arbeitsbedingungen zu bewirken, versucht sie zu allererst ihr eigenes Konsumverhalten zu verändern: seit mehr als zwei Jahren meidet sie die grossen Textilketten und stellte fest, dass ein weniger voller Kleiderschrank viele Vorteile mit sich bringt.