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Regional-saisonal - herbstliche Fülle vor der Haustür!

Es ist Samstag Morgen. Wie jede Woche freue ich mich schon auf den Wochenmarkt mit all seinen Farben und Düften und der herbstlichen Fülle, unter der sich fast die Tische biegen: bunte Blumensträusse, Berge von Tomaten, Zucchini, Äpfeln, Karotten, Salaten, Paprikaschoten in allen Farben und Formen, Kräuter, Beeren, Zwetschgen...

Auf dem Weg zum Markt steigt mir bereits der unverwechselbare Duft von frischem Gemüse in die Nase, der mich jedesmal wieder mit Vorfreude erfüllt, und auch Kindheitserinnerungen wachruft, an eine Zeit, als auf dem Markt meines Heimatstädtchens noch Küken im zartgelben Flaum und andere Jungtiere feilgeboten wurden.

Ich steuere den Stand eines Demeter-Familienbetriebs aus der Region an und freue mich, die bekannten Gesichter wieder zu sehen: den alten Herrn, der das selbst gebackene Brot und die Säfte verkauft und der mich vor vielen Jahren mit seinen hervorragenden Kartoffeln überzeugt hat, und seine Töchter und Enkeltöchter, die sich um den Verkauf des heimischen Gemüses kümmern.

Eine lange Schlange wartet bereits, ich reihe mich hinten ein.

Seit Jahren schon bemühe ich mich darum, soviel wie möglich regional und saisonal zu kaufen, denn ich sehe hier ausschliesslich Vorteile: keine langen Transportwege und Lagerzeiten, frischer können die Produkte nicht sein und halten daher auch wirklich lange, und ich unterstütze nebenbei noch die Landwirte in der Region, die wiederum auch den Erhalt unserer bäuerlich geprägten Kulturlandschaft gewährleisten.

Was mir hier an "meinem Demeter-Stand" besonders gut gefällt: jeder Kunde erhält genau die Zeit, die er braucht, die Verkäuferinnen beraten jeden Einzelnen ausführlich, erteilen Ratschläge zur Zubereitung der Produkte und packen die frischen Waren achtsam ein, damit sie auch wirklich heil zuhause ankommen.
Hektik kommt hier sicherlich keine auf, darauf wird genau geachtet, und so ist mein samstäglicher Einkauf auch immer eine Verschnaufpause, die mich dazu einlädt, einen Gang runterzuschalten, langsamer zu werden.

So entstand über die Jahre eine persönliche Beziehung zu diesem Landwirtschaftsbetrieb, den ich nicht missen möchte. Und so kam es auch, dass ich begann, auch Sorten zu kaufen, die nicht unbedingt auf meinem Speiseplan standen, denn ich möchte doch "meinen Demeter-Hof" unterstützen.
Klar hätte es im Supermarkt die grösseren Kartoffeln gegeben, die sich leichter schälen lassen, während diese hier heuer besonders klein ausgefallen sind - aber soll denn mein Demeter-Betrieb darauf sitzen bleiben, nur weil sie nicht "perfekt" sind?
Oder: eigentlich ist Rosenkohl nicht gerade mein Favorit, aber dieser hier sieht so frisch und knackig aus, und ein Familienrezept erhalte ich auch noch gratis dazu, also plane ich um und probiere eben mal was Neues aus.

Deswegen gefällt mir auch die Idee von der "Solidarischen Landwirtschaft", einem Modell, das hier in meiner Region gerade aufblüht: man schliesst sich einem Betrieb an, der im Umland Gemüseanbau betreibt, bezahlt einen monatlichen Beitrag, mit dem Gehälter und Produktionskosten gedeckt werden, und erhält dafür wöchentlich eine Gemüsekiste mit allem, was die Ernte gerade hergibt. So werden Risiken und Erfolge auf viele Schultern verteilt.

Auf www.solidarische-landwirtschaft.org heisst es hierzu:

"Die Essenz dieser Beziehung ist die gegenseitige Vereinbarung: der Hof ernährt die Menschen und alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte. Dies entspricht einer bewährten Praxis: für die längste Zeit der Menschheitsgeschichte waren Menschen mit dem Land verbunden, das sie ernährt hat."

In diesem Sinne: Frohes Geniessen der herbstlichen Fülle vor der Haustür!